"Lola" führt jetzt ein richtig gutes Hundeleben
Familie Hertzig nahm den Zögling auf Vermittlung des Vereins Tiere in Not auf


Bei Familie Hertzig in Bisch-misheim hat Beaglehündin Lola ein neues, schönes Heim gefun-den. Früher fristete das Tier in einem Versuchslabor sein Da-sein.

Von SZ-Mitarbeiterin
Alexandra Raetzer

Bischmisheim. Hündin Lola rä- kelt sich in der Sonne. Zufrieden blinzelt sie Nina (14) und ihrem Bruder Marco (9) zu, die ihr sanft über das Fell streicheln. So gut wie bei Familie Hertzig in Bischmisheim ging es dem neunjährigen Beagle in seinem Hundeleben noch nie. "Lola lebte in der Aufzuchtstation eines Labors für Tierversuche", erzählte Ute Hertzig, Mutter von Nina und Marco, und seit Februar auch "Frauchen" von Lola. Über den Ver-ein Tiere in Not wurde Lola an die Hertzigs vermittelt. "Wir hatten im Fernsehen einen Bericht über den Verein gesehen und uns entschlos-sen, einem ehemaligen Laborhund ein neues Zuhause zu bieten", er-zählte Ute Hertzig. Auch ihr Mann Markus Helfen hat Beagle Lola ins Herz geschlossen.Die Hertzigs mit Hündin Lola: Mutter Ute, Vater Markus sowie Nina und Marco freuen sich über den "Nachwuchs".
Dabei hat der kleine Hund kürzlich für große Aufregung gesorgt und die Familie in Atem gehalten. Es passierte am Abend des 1. März. Die Haustür der Hertzigs war ver-sehentlich nur angelehnt. Und schwupp stieß Lola die Tür auf, um auf Erkundungstour zu gehen. "Als Laborhündin kannte sie bisher ja nichts: weder Wiesen, noch den Wind, Autos oder Häuser" erklärt Ute Hertzig. Entsprechend ängstlich re-agierte Lola auf Geräusche. Und auch vor fremden Menschen ist sie auf der Hut. Kein Wunder nach der Be-handlung in der Auffangstation, wo die Tiere in Boxen eingepfercht sind und auf nacktem Steinboden schla-fen müssen. Am 1. März also war Lola plötzlich verschwunden. Und Familie Hertzig in heller Aufregung. "Wir haben sofort die gesamte Straße durchsucht, denn wir waren sicher, dass Lola sich irgendwo in der Nähe verkrochen hat", berichtete Ute Hertzig vom Beginn der mehrtägigen Suchaktion. Doch als die Hertzigs noch in Bischmisheim suchten, war Lola bereits über alle Berge.
"Am nächsten Morgen sind wir runter ins Tal, wo uns ein Mann erzählt hat, dass er Lola am Vorabend gegen 21 Uhr in Richtung Ensheimer Gelösch hat laufen sehen". Sieben stunden suchten die Hertzigs in Ensheim und Umgebung, neun stunden lang war Ute Hertzig am übernächsten Tag im Mandelbachtal unterwegs. "Wir haben gut 100 Plakate aufgehängt, Tierheime, Polizei, Jäger und Förster verständigt und Anwohner ange-sprochen und gefragt, ob jemand den hat. Wir haben sehr viel Unterstützung Hund gesehen
bekommen", sagt Markus Helfen, der sich bei allen bedanken möchte, die Anteil genommen oder bei der Suche geholfen haben. Er selbst sei zuversichtlich gewesen, den Vierbeiner gesund und munter wieder zusehen, sagt Helfen. Die positive Grundhaltung und die unermüdliche Suche machten sich bezahlt: Nach drei Tagen tauchte Lola am Erlenbacher Hof an der Straße zum Ensheimer Flughafen auf. Ausgerechnet da, wo Nina Hertzig in dieser Zeit ein Praktikum absolvierte. "Die Besitzerin des Hofes spülte gerade Geschirr, als sie Lola in Richtung Straße laufen sah", erzählte Nina. Schnell habe man sie gerufen, um den Ausreißer schließlich mit gutem Zureden und unter Zuhilfenahme eines Schinkenbrotes auf den Hof zu locken. Der abenteuerliche Hunde-ausflug hatte sein glückliches Ende gefunden.
"Seither ist Lola wie verwandelt", berichten die Hertzigs. Völlig ausgehungert und erschöpft, habe sich die Hündin sichtlich gefreut, wieder zu Hause bei der neuen Familie zu sein.